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5. August: Nach der Landung in Bishkek, der Hauptstadt Kirgistans, fährt die 15-köpfige Expeditionsgruppe des Summit-Clubs mit dem Bus Richtung Issyk-Kul-See, dann südlich der Seidenstraße entlang den Dolon-Pass (3038 m) hinauf, weiter nach Naryn (2030 m). Übernachtung.


6. August: Vorbei an den schneebedeckten Bergen des Atbashi-Gebirges. Hinter dem Ort At Bashi beginnen die Grenzstationen. Je mehr man sich der Grenze nähert, desto intensiver werden die Kontrollen: Passkontrollen, Gepäckkontrollen, Ausfüllen von Formularen. Man erinnert sich an die Grenzkontrollen der DDR. Kirgisisch-chinesische Grenze auf dem Torugart-Pass (3752 m). Wir laden das Gepäck vom kirgisischen Bus in einen chinesischen Bus um. Auf chinesischer Seite ebenfalls mehrere Grenzkontrollen. Weiter nach Kashgar (1335 m). Übernachtung.


7. August: In Kashgar war es gestern furchtbar heiß, auch in der Nacht. Auf dem Pass wehte dagegen ein kühler Wind. In den Bussen war es zugig. Fühle mich schlapp, ich wittere eine Erkältung. Nach 2 ½ Stunden Busfahrt erneute Passkontrolle. Landschaft verwandelt sich in eine mondartige, wüstenförmige Berglandschaft. Der Mustagh Ata taucht auf. Ein herrliches Bild! Wir erreichen den Karakulsee (3650 m). Die Erkältung bestätigt sich, mir läuft die Nase. Übernachtung.


8. August: Auf einer Wiese bei Shubash (3700 m) Gepäckverladung vom Bus auf Kamele. Fünfstündige Wanderung zum Basislager (4450 m). Zeltaufbau. Fühle mich elend, mir ist übel. Ich verkrieche mich mit Kopfweh in den Schlafsack.


9. August: Ruhepuls um 20 Punkte zu hoch. Leide unter Übelkeit, Kopfweh und Apetitlosigkeit. Schlafe weiter bis Mittag. Dann tritt Besserung ein. Am Nachmittag Akklimatisationswanderung mit Diddi oberhalb des Basislagers. Wunderschöne Felsenblümchen!

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10. August: Legale und illegale einheimische Dienstleister transportieren Gepäck, Zelte und Lebensmittel auf Eseln zum Hochlager 1. Aufstieg zum Hochlager 1 (5430 m) in 4 ¾ Stunden. Normale Bergtour über 900 Höhenmeter, auf einem Trampelpfad durch Geröll. Hochlager 1 i.d.R. eisfrei. Aufbau der Zelte, Materialdepot, Abstieg zum Basislager. Ich friere trotz warmer Kleidung. Erst mit zwei heißen Wasserflaschen im Schlafsack kehrt die Wärme zurück. Diddi, mein Zeltkamerad ermuntert mich, nicht aufzugeben.


11. August: Ruhepuls immer noch zu hoch. Nase verstopft. Ruhetag. Akklimatisationswanderung am Nachmittag. Beschließe zusammen mit FloRo einen weiteren Tag im Basislager zu bleiben.


12. August: Zweiter Ruhetag. Ruhepuls mit 64 Schlägen gut. Gut geschlafen, viel Urin in der Nacht produziert. Kein Kopfweh mehr. Die Stimmung steigt. Die Gruppe steigt ohne FloRo und mich zum Hochlager 2 auf. Unternehme mit FloRo eine Akklimatisationswanderung Richtung Hochlager 1.


13. August: Ruhepuls mit 58 Schlägen ideal. Aufstieg zum Hochlager 2. Im Hochlager 1 Schneefall und Kälte. Die Gruppe trifft vom Hochlager 2 kommend im Hochlager 1 ein. Sie berichtet, dass der Aufstieg mit Gepäck zum Hochlager 2 „bis an die Substanz" ging. Frankie-Boy, mit dem ich schon auf dem Aconcagua war, meint, dass dies sein schwerster Aufstieg in seinem bisherigen Bergsteigerleben gewesen sei. Die Gruppe steigt ab. FloRo und ich übernachten im Hochlager 1.


14. August: Gut geschlafen. Wir laden Eispickel, Geschirr, Lebensmittel und persönliches Gepäck in die Rucksäcke. 9.30 Uhr Aufbruch mit FloRo. Der Weg führt auf und ab durch Gletscherverwerfungen. Es ist feucht und 18°C warm. Es ist äußerste Vorsicht geboten wegen der Gletscherspalten und Lawinenabgänge. Das letzte Stück ist ein langer Steilhang, der kein Ende nehmen will. Nebel kommt auf, dann Schneegestöber. Völlig erschöpft erreichen wir nach sechs Stunden Hochlager 2 (6200 m). Hier ist es extrem ungemütlich. Laden Gepäck in das dafür vorgesehene Zelt ab. Abstieg zum Basislager. Der Schnee hat alle Spuren verwischt. Plötzlich sinke ich mit einem Bein bis zur Hüfte ein. Mein Adrenalinspiegel schießt in die Höhe. Ich arbeite mich aus dem Schnee und aus dem Loch heraus, lege mich auf den Bauch und rutsche - alle Viere von mir gestreckt - mit den Stöcken tastend vor- und abwärts. Im Hochlager 1 wird umgepackt, dann ins Basislager zur Gruppe abgestiegen.


15. August: Ruhetag. Gruppe steigt am Nachmittag ohne FloRo und mich zum Hochlager 3 auf. Das Schöne im Basislager an dem Essen zu zweit ist, dass man nicht immer schielen muss, ob man noch etwas abbekommt. FloRo und ich können in Ruhe essen. Gut und kalorienreich essen ist wichtig!


16. August: Nach dem Mittagessen Aufstieg zum Hochlager 3. Schönes Wetter. Herrlicher Sonnenuntergang im Hochlager 1. Sortiere das Gepäck für Hochlager 2. Übernachtung im Hochlager 1.


17. August: Start zum Hochlager 2 um 8.30 Uhr. Klarer Himmel. Es wird heiß. Auf dem langen Steilhang vor Hochlager 2 quäle ich mich bis zur Erschöpfung. Treffen mit der Gruppe, die vom Hochlager 3 kommend ins Basislager absteigt. Heute bin ich ziemlich fertig, obwohl mein Puls mit 80 Schlägen nicht übel und der Kopf klar ist. In der Nacht bekomme ich keine Luft durch die Nase. Die Erkältung wird nicht besser.


18. August: Ruhepuls liegt bei 64 Schlägen. Eigentlich ein guter Wert. Ich beschließe nach langem Überlegen, nicht zum Hochlager 3 aufzusteigen, sondern mich für den Gipfeltag zu schonen. Gepäck, Lebensmittel, Geschirr und Brenner werde ich auf der Gipfeltour mitnehmen. FloRo schließt sich einer englischen Bergsteigergruppe an und steigt bis Hochlager 3 auf. Ich gehe den Tag ruhig an, laufe zwei Stunden weiter den Steilhang hoch Richtung Hochlager 3 bis zu den Gletscherspalten an der Hangkante, kehre dort um und steige - gegen alle Venunft - allein durch den Gletscherbruch zwischen Hochlager 2 und 1 ab zum Basislager.


19. August: Ruhetag im Basislager. FloRo kommt vom Berg zurück, hatte beim Abstieg im Hochlager 2 übernachtet. Wir packen weiteres Material für den Gipfelaufstieg. Durch das versetzte Aufsteigen zu den Hochlagern hat die Gruppe zwei Ruhetage, ich einen Ruhetag und FloRo keinen!


20. August: 13.00 Uhr beginnt der Gipfelaufstieg. Im Hochlager 1 bekomme ich gegen Abend einen Durchfall. 21.00 Uhr, 23.30 Uhr, 2.00 Uhr und 4.00 Uhr muss ich mit blankem Hintern an die frische, eiskalte Luft, auf die Leeseite des Lagers und mache meine Geschäfte, nehme anschließend Immodium lingual ein und trinke viel.


21. August: Herrlicher Sonnenaufgang. Normale minus 10°C. Durchfall scheint weg zu sein. 9.30 Uhr Aufbruch zum Hochlager 2. Durch den Gletscherbruch, den wir mittlerweile kennen. Es graupelt. Der Steilhang vor Hochlager 2 fällt schwer. 


22. August: Aufstieg zum Hochlager 3 wegen des starken Schneefalls und Graupels mit Schneeschuhen und schwerem Rucksack (mit dem Gepäck, das ich am 18. August im Hochlager 2 zurückgelassen hatte). Starker Wind, der alle Spuren im Nu verwischt. Es graupelt. Ich bemerke, dass ein Schneeschuh nicht reparabel defekt ist. Alle 20 Minuten muss ich ihn neu binden. Das schlaucht in dieser Höhe und an dem Steilhang hinter Hochlager 2! Der Hang danach scheint endlos zu sein. Nach etwa sieben Stunden Aufstieg und den letzten Metern vor Hochlager 3 (6830 m) bin ich erschöpft. Übernachtung zu dritt in einem Zelt. Diddi kocht mir eine heiße Suppe und bringt mich wieder auf die Beine.


23. August: Gipfeltag! Der an der Zeltdecke gefrorene Atem rieselt am Morgen herab. Es schneit im Zelt. Es ist minus 24°C kalt. Ruhepuls bei 80 Schlägen. Das geht in dieser Höhe. Ich habe gut geschlafen und fühle mich wohl. Wolkenfreier Himmel! Wir sind begeistert! Die gesamte Gruppe bleibt während des Aufstieges in Sichtweite beieinander! Die Schneeschuhgänger in der Spur der Skifahrer. Das Wetter ist stabil schön. Zuerst Überwindung eines Steilhangs, einer Spalte. Nach einem langen Hang wird das Gelände flacher. Die dünne Luft erlaubt nur intermittierendes Gehen. Nach 6 ½ Stunden , um 17.00 Uhr stehe ich auf dem felsigen Gipfel (7546 m). Innerhalb einer Stunde trifft die gesamte Gruppe ein. Eine tolle Leistung dank der soliden Planung unseres Bergführers. Auch das Wetter hat mitgespielt.

Abstieg (8 Teilnehmer) bzw. Abfahrt (7 Teilnehmer) zum Hochlager 3. Übernachtung.


24. August: Hervorragender Schlaf. Am Morgen minus 22°C. Packen und Abstieg zum Hochlager 2. Packen und Abstieg mit schwerem Gepäck zum Hochlager 1.

Im Hochlager 1 trinken wir ein Bier, das der Bergführer für uns dort deponiert hatte. Wir spüren, wie mit jedem Schluck die Kräfte in den Körper zurückkehren. Packen für den eigenen Rucksack. Einrichten eines Depots für das Gepäck, das für den Eseltransport eine Nacht zurückbleibt. Abstieg ins Basislager. Wir sind glücklich! Meine großen Zehennägel sind blau und schmerzen. Meine Nase ist von dem andauernden Schnupfen furchtbar wund. Meine Fingerkuppen sind pelzig. Sonst fehlt mir nichts. Einige Gruppenmitglieder haben angefrorene Fingerkuppen. FloRo hat an den Zehen Erfrierungen 1. Grades. Unsere Ärzte in der Gruppe leisten Erste Hilfe. Von allen fünf Gruppen (Spanier, Italiener, Österreicher, Engländer, Franzosen), die wir gesehen haben, sind nur wenige Bergsteiger am Gipfel angekommen.


25. August: Packen bis 17.00 Uhr. Bis 22.00 Uhr wird gefeiert.


26. August: Die Erkältung plagt mich immer noch. Seit 3 Wochen ist der Zustand unverändert. In diesen Höhen heilt nichts! Der Koch erzählt uns, dass seit 1997 keine Gruppe dieser Größe komplett den Gipfel erreicht hat. Jeder packt sein eigenes Gepäck. Das Abendessen wird zur Abschiedsvorstellung unseres Koches: 8 Gänge, Likör, Bier. Die letzte Nacht beginnt etwa 21.00 Uhr.


27. August: Abbau der restlichen Zelte. Packen der Rucksäcke und Reisetaschen. 10.00 Uhr Aufbruch. Der Mustagh Ata ist in Wolken gehüllt. 12.00 Uhr Gepäckumschlag auf der Wiese bei Shubash. Mit dem Bus zum Karakulsee. Mittagessen. 20.00 Uhr Ankunft in Kashgar.


28. August: Besichtigung Kashgars.


29. August: Fahrt nach Naryn.


30. August: Fahrt nach Bishkek mit ausgiebiger Pause am Issyk-Kul-See.


31. August: Abflug nach Moskau und Frankfurt am Main.


Fazit: Eine phantastische Expedition in großartiger Landschaft!

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